Ackerwildkräuter im Juni
Hühnerweide im alten Kirschbaumgewann in Werder an der Havel

 

 

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Wald als Beitrag zum Klimaschutz

Holzzuwachs in Deutschland - jede Sekunde fast 4 Kubikmeter
Holz als heimischer, nachwachsender Rohstoff CO2-Speicher
Holzzuwachs in Deutschland - jede Sekunde fast 4 Kubikmeter

Schützt die Groko die Biologische Vielfalt?

Auch wenn der Naturschutz nach Aussagen der designierten Bundesumweltministerin im Industrie­land Deutschland nur eine nachgeordnete Rolle spielt, die Nationale Biodiversitätsstrategie (NBS) aus dem Jahr 2007 steht weiter als Naturschutzaufgabe im Koalitionsvertrag.

Zwar wird es hierzu kein neues Aktionsprogramm geben, die NBS hat aber im neuen, geschrumpften Ministeriumszuschnitt mehr Gewicht. Die Koalition bekennt sich ebenfalls zur EU-Biodiversitätsstrategie. Sie ist der Beitrag zur CBD 2020 (Konferenz 2020 zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt) zu der auch ein neuer strategischer Plan der EU verabschiedet wird.

Hier mein Bericht zum Dialogforum Naturschutz XLeben – Natur – Vielfalt. 

Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Lage der Biodiversität in Deutschland 

 

Biodiversitätsfortschritte / Bericht DNR-Verbändeforum

Anfang September 2014 lud der Deutsche Naturschutz Ring (DNR) seine Mitgliedsverbände zum Informationsaustausch in die Räume des Sachverständigenrates für Umweltfragen in Berlin. Den Auftakt machte Prof. Dr. Beate Jessel als Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) mit einer Darstellung zu „Nationale Biodiversitätsstrategie – Stand der Umsetzung und Perspektiven für die Öffentlichkeitsarbeit“.

Die in der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) identifizierten 330 Ziele und 430 Maßnahmen machen es notwendig, für die öffentliche Kommunikation eine Schwerpunksetzung vorzunehmen. Die Kommunikationsstrategie durch Eindampfen der großen Bandbreite der Biodiversitäts-Projekte soll gemeinsam mit den Umweltverbänden erfolgen. Um sich auf einige einprägsame Beispiele mit leitbildgebenden Projekten zu verständigen ist geplant, noch in diesem Jahr einen Workshop abzuhalten. Schließlich kann eine breitere Öffentlichkeit für die seit 2007 beschlossene Biodiversitätsstrategie (NBS) nur mittels gezielt abgestimmter Kommunikation über die Umwelt- und Naturschutzverbände geschaffen werden. Der Wertekanon der NBS soll schließlich als Orientierung sowohl für die Gesellschaft als auch für das Regierungshandeln dienen.

Die Öffentlichkeitswirksamkeit der NBS wird durch eine „Naturbewußtseinsstudie“ erhoben. Repräsentative Umfragen zur Bedeutung der Biodiversität, zum Lebensraumschutz für die Natur und zur Notwendigkeit des Erhaltens der natürlichen Vielfalt und des Artenreichtums werden in Deutschland jährlich durchgeführt. Damit liefert die Naturbewußtseinsstudie ein Monitoring über die Reichweite der NBS und beantwortet, welche Fortschritte die Verbreitung des Gedankenguts zur Biodiversität gemacht hat.

Als öffentlichkeitswirksame Projekte mit besonderem Potential sind zu nennen: 

  • „Naturkapital Deutschlands“, mehrjährige Forschungsaufgabe zur Inventarisierung der Naturschätze der Bundesrepublik
  • "ökologisches Leitungstrassenmanagement“ gemeinsam mit den Netzbetreibern (Sielmann-Stiftung),
  • Naturschutzhöfe in Schleswig-Holstein
  • Handy-Projekt „Beach Explorer“ der Schutzstation Wattenmeer
  • Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“ (DUH-Leitfaden)

Eine kommunikative Verdichtung und Schwerpunktbildung könnte z.B. entlang der großen aktuellen Bundesprogramme erfolgen. Es bieten sich an:

  • Bundesprogramm Wiedervernetzung: 93 prioritäre Wiedervernetzungsabschnitte wurden identifiziert, alleine die Umsetzungsmittel dafür sind noch nicht gesichert (Kabinettsbeschluss Feb. 2012, Gelder vom BMVI)
  • Bundesprogramm Blaues Band: der Naturschutz soll gleichberechtigt mit der Wasserschiff­fahrt werden, um den ökologischen Gewässerzustand zu verbessern. Flächeninanspruch­nahme für Naturschutzmaßnahmen oder Ökolandbau, Landschaftsqualität und Artenvielfalt sind immanent.
  • ein nationales Hochwasserschutzprogramm wird voraussichtlich im Oktober 2014 beschlossen und wird mehrere Jahre administrativen Vorlaufs bis zur Umsetzung haben. Es beinhaltet Deichrückverlegungen, Retentionsflächenausweisungen und Polder, um den Flüssen wieder mehr Raum zu geben

Eine Schwerpunktbildung kann ebenfalls entlang hervorgehobener Indikatoren der NBS erfolgen. Beispiele sind:

  • 5% der Wälder sollen der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden (in 2013 unterliegen nur ca. 1,9 % der Wälder einer Naturwaldentwicklung)
  • 19 % der Landwirtschaftsfläche soll in naturschutzfachlich wertvolle Agrarbiotope überführt werden. Der Anteil hochwertigen Grünlands ist hier von besonderer Bedeutung, da sich mit 10 % Grünland-Abnahme in 10 Jahren z.B. das Vorkommen von Feldvögeln halbiert hat.
  • Verringerung des Stickstoff-Überschusses auf 80 kg/ha Landwirtschaftsfläche
  • Zunahme an Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 ha/Tag beschränken (Flächenversieglung minimieren)
  • NBS-Ziele für den Auen- und Hochwasserschutz identifizieren

Derzeit befindet sich der NBS-Indikatorenbericht in der Ressortabstimmung, er soll noch 2014 veröffentlicht werden. 

 

Bundeswaldinventur (BWI-2012)

Die dritte Bundeswaldinventur, veröffentlicht am 8. Okt. 2014 zeigt, dass die Waldfläche in Deutschland mit rund 11,4 Millionen Hektar beinahe konstant geblieben ist, sie hat 50 Tsd. ha zugenommen (= 0,4%). Damit ist rund ein Drittel (32%) der Fläche Deutschlands Wald mit ca. 90 Mrd. Bäumen. 13 % der Landfläche brauchen Siedlungen und der Verkehr. Auf 52 % der Fläche wird Landwirtschaft betrieben. Holz aus heimischen Wäldern ist Grundlage für 1,1 Millionen Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft (Arbeitsplatz-Zahl aus 2011).

Bei der Bundeswaldinventur wird eine repräsentative Stichprobe erhoben. Über 60 Inventurtrupps haben 2011 und 2012 an rund 60.000 Messpunkten rund 150 Merkmale erfasst. Etwa die Hälfte des deutschen Waldes ist in privaten Händen. Ca. 20 % besitzen Gemeinden, Städte und andere öffentliche Körperschaften. Ein Drittel gehört den Ländern und dem Bund.

Deutschlands Wälder entlasten die Atmosphäre jährlich um 52 Millionen Tonnen CO2 – das ist mehr, als die Metropolen Hamburg und Berlin pro Jahr ausstoßen. Christian Schmidt bei der Vorstellung des 3. Inventurberichts: „Nachhaltige Waldbewirtschaftung unterstützt und verstärkt diesen Effekt: Sie ist der Schlüssel, um die vielfältigen Anforderungen an den Wald in Einklang zu bringen.“

Der Mischwaldanteil ist auf 76 % der Gesamtwaldfläche gestiegen. Der Anteil der Laubbäume ist um 7 % gestiegen. 68 % der Wälder sind zwei- oder mehrschichtig aufgebaut. Das sind 28 % mehr als bei der letzten Waldinventur im Jahr 2002. Strukturreiche Mischwälder sind für die Herausforderungen des Klimawandels und Schadereignisse wie Stürme oder den Befall durch Borkenkäfer besser gerüstet. „Der deutsche Wald ist in den vergangenen Jahren strukturreicher und älter geworden. Der gute Zustand des Waldes ist das Ergebnis vorausschauenden waldbaulichen Handelns von Politik, Waldeigentümern und Förstern“, so Bundesminister Schmidt.

Der Holzvorrat ist in den vergangenen zehn Jahren um 7 % gestiegen. Deutschland verfügt über einen Holzvorrat von 3,7 Mrd. m³. Damit steht Deutschland an der Spitze der europäischen Länder, sogar vor den Waldländern Skandinaviens.

Bei der Fichte als wichtige Baumart der Holzwirtschaft wurde mehr Holz genutzt als nachgewachsen ist. Ihre Fläche hat um 8 % und der Vorrat um 4 % abgenommen. Dies entspricht der waldbaulichen und forstpolitischen Zielsetzung der vergangenen Jahre (Waldumbau, Erhöhung Totholzanteil – ca. 31 Mio. stehende Totholz-Bäume).

Rund 17 % des deutschen Waldes sind daher Schutzgebiete nach der europäischen Richtlinie 92/43/EWG Fauna-Flora-Habitat (FFH-Richtlinie) und damit Teil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks „Natura 2000“. Die drei in Deutschland großflächig vorkommenden Waldlebensraumtypen Hainsimsen-Buchenwald (9110), Waldmeister-Buchenwald (9130) und Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (9170) machen 83% aller erfassten 19 Waldlebensraumtypen aus.

5% der Waldfläche sind besonders geschützte Biotope. Im Mittel 9 Bäume pro Hektar haben ökologisch bedeutsame Merkmale, so die rund 22 Mio. Specht- oder Höhlenbäume und die 741.00 Horstbäume (meist dicke, alte Bäume).

Im Wald leben bis zu 14.000 Tier-, 6.000 Pflanzen- und 5.000 Großpilzarten.

Wildtiere: Rehe und Schwarzwild sind bis auf die Hochlagen der Alpen und in Nordwestdeutschland fast überall im Wald heimisch (88 %). Rotwild, ursprünglich ein Bewohner strukturreicher Offenlandschaften, lebt heute überwiegend im Wald und besiedelt 38 %, v.a. nordostdeutsche Tiefland, in den Mittelgebirgen und in den Alpen. Damwild kommt auf 15 % der Waldfläche und überwiegend in Norddeutschland vor. Muffelwild (6 %) ist selten. Gamswild (2 % der Waldfläche) ist ein typischer Alpenbewohner, besiedelt zudem die Hochlagen von Schwarzwald und der schwäbischen Alb.

Vom Schalenwild werden alle Baumarten geschält, solange die Rinde noch nicht verborkt ist. Über die Schälwunde können Fäulnispilze in das Holz eindringen und die Vitalität der Bäume schwächen und die technische Verwertbarkeit mindern. Die Bundeswaldinventur hat den Verbiss an Bäumen mit einer Höhe von 20 cm bis 130 cm erfasst. Es sind 33 % der Laubbäume und 10 % der Nadelbäume verbissen. Besonders stark betroffen sind Eichen mit 43 %. (Aus methodischen Gründen sind die Ergebnisse der BWI-2012 nicht mit anderen Verbiss-Erhebungen z.B. der Länder früheren Bundeswaldinventuren vergleichbar.)

2,5 % der Waldfläche ist gegen Verbiss umzäunt. Dort ist der Verbiss nur halb so groß. Die Schutzwirkung beträgt im Privatwald und im Landeswald über 55 %, im Körperschaftwald hingegen nur 23 %. Einzelschutz spielt praktisch keine Rolle.

Invasive Pflanzenarten im Wald sind von geringer Bedeutung. Das Kleinblütige Springkraut (Impatiens parviflora) wurde in nennenswertem Umfang festgestellt (besonders MeckPom). Es ist auf 3% der Waldfläche mit mindestens10% Deckungsgrad vorhanden. Andere krautige invasive Arten kommen im Wald kaum vor. Allerdings nimmt die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) in der Jungbestockung rund 104.000 Hektar ein und kann die Verjüngung heimischer Waldbaumarten behindern (betrifft nur 0,1% der Waldfläche).